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Adventskalender sind manchmal ein Streitthema in der Familie. Insbesondere wenn es sich um einen Kalender im Wohnzimmer an prominenter Stelle handelt. Als Eltern hat man ja glücklicherweise immer noch die Möglichkeit einen Kalender auszusuchen der zur liebevoll eingerichteten Ausstattung passt. Aber was macht man mit diesen Geschenkteilen? Die so gruselig kitschig sind und bei denen die Schokolade sowieso meistens aus dem letzten Jahr stammt oder zumindest so schmeckt? Was also tun mit dem mühevoll selbstgehäkelten Adventskalendersöckchen in rosa, rot und gelben  adventskalender2013-2Mohairstreifendesign von Tante Sophie? Schön an den Esstisch? Oder quer über das Sofa? Und das VIER Wochen lang? Die schöne kerzengeschwängerte Stimmung, der echte Adventskranz und die vorsichtig ausgewählte Tischdeko? Alles hinüber, weil eigentlich jeder der den Raum betritt, auf diese Socken starrt? Da hilft dann auch nicht ein gestammeltes: „naja, die Kinder lieben Tante Sophie und haben drauf bestanden… naja, du weißt ja, wenn die Kinder… „. Und was dann mit dem eigenen selbstgemachten Adventskalender, passend zur Tisch- und Adventsdekoration? Der geht neben diesen überdimensionierten Wollsocken ja völlig unter. Gleichzeitig will man es sich nicht mit Tante Sophie verscherzen. Das ein oder andere Erbstück ist ja schon in Gedanken ausgesucht. Aber noch viel Schlimmer als der traurige Blick von Tante Sophie und dem in weite Ferne gerückten Erbe, ist das Entsetzen im Blick der Kinder, wenn die alljährlich wiederkehrenden gut gefüllten Socken nicht ihren Ehrenplatz im Wohnzimmer erhalten. Es nützt auch nichts, wenn eine – wie in vielen pädagogischen Ratgebern empfohlene – Familienkonferenz einberufen wird, um zu erklären (ACHTUNG Ich Botschaft verwenden, damit die Kinder sich nicht angegriffen oder bevormundet fühlen und das Ganze die eigenen Gefühle betont und hervorhebt), dass die ganze neue Wohnzimmerdekoration viel Geld und Nerven gekostet hat und dass nun einmal eine zart in beige und braun gehaltene Farbgebung nicht unbedingt zu riesigen und auch noch bunten (in einer befremdliche zusammengestellten Farbgebung bunt!) Sockenungeheuern passt. So sagt man das natürlich nicht den Kindern. Man sagt ihnen auch nicht, dass der Trick mit Tante Sophie jahrelang wunderbar geklappt hat. Nämlich, die Socken zentral aufzuhängen (und irgendwie waren die auch früher kleiner und nicht ganz so schreiend. Vielleicht liegt das an den neuen Synthetikgarnen, ich weiß es nicht, hilft ja jetzt auch nicht weiter) und DANN, sowie Tante Sophie aus dem Haus war, diese Sockenkette, an der Tante Sophie das ganze Jahr gearbeitet hatte, in den Keller auf den Boden oder sonstwie weit weit weg aus dem Blickfeld zu verbannen. Auf jeden Fall befindet man sich da sofort in einem pädagogischen Dilemma. Soll man bereits den Kindern beibringen auf solche Tricks zurück zu greifen, weil ein Erbe lockt? Und könnten es die Kinder mit einem selber nicht dann auch so machen, im Alter oder vielleicht schon demnächst? Wenn die liebevoll ausgesuchten Weihnachtsgeschenke mit Entzücken betrachtet werden, um dann in der Mülltonne zu landen? Also direkte Erziehung zur kapitalistischen Bankergeneration oder heute ja auch Politiker?  Oder nimmt man diese MEGA-Monstersocken auf sich und zerstört damit jede Ästhetik in der Advents- und Weihnachtszeit und  statt -wie geplant- den Freunden das neue Wohnzimmer zu zeigen, triff man sich dann lieber außerhalb im Cafe? (Für alle Leser, die sich auf das Ergebnis der Familienkonferenz gefreut haben, bis zu dem Thema sind wir gar nicht durchgedrungen: wir haben uns nicht getraut! Aber dort dann die Organisation der Basardienste in der Schule besprochen und dafür sind diese Konferenzen auch echt gut) … Jetzt haben wir nach einigen durchdiskutierten Nächten (nur unter Eltern, wegen der pädagogischen Fallen) die beste Lösung für alle gefunden! Die Socken hängen schön dekorativ im Gästeklo! Ja, unglaublich oder? DAS war die Lösung. Es ist ja die auch  die Kindertoilette und Tante Sophie war ganz entzückt, dass wir ihre Socken so toll und farblich passend in unsere retropinke Gästetoilette gehängt haben. Die mit den wunderschönen Muschelbecken und goldenen Wasserhähnen. Eigentlich der einzige Raum dieser modernen Wohnung, der ihr noch Entzückensseufzer entlockt, weil er sie an Onkel Herbert und die ersten Liebesjahre in Untertupfing errinnert. Zudem kann jetzt jeder Besuch diese wunderschönen Socken sehen! Liebe Tante Sophie:“ du hattest recht, im Wohnzimmer nimmt sie ja keiner wahr bei dem ganzen Trubel und den ganzen anderen Kalendern.“  Die Kinder finden es auch toll, weil sie endlich heimlich hinter verschlossenen Türen den Inhalt der Socken erraten können und wir, wir verschmerzen das mitleidige Lächeln der Besucher nachdem auf der Toilette waren. Das kennen wir schon, wegen der Fliesen und des pinken Waschbeckens in Muschelform, da fallen diese flauschigen Mohairteile auch nicht weiter auf…

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