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Im Gegensatz zu vielen Blogs, Einträgen und Kommentaren bin ich der Meinung: Fernsehen ist weder notwendig für Kinder noch ist es der Entwicklung der Kinder zuträglich. Warum ich dieser Meinung bin möchte ich im Folgenden näher ausführen. Ich werde regelmässig einen weiteren Grund einfügen, bis zumindest meine „Top Ten“ aufgeführt sind

3. Beziehung und Kommunikation

Soziale Erfahrungen und insbesondere soziale Bindungs- und Beziehungserfahrungen bilden die Vernetzungsstrukturen des menschlichen Gehirns. Was bedeutet das für heranwachsende Kinder? Soziale Interaktionen und Erfahrungen mit den Eltern oder anderen Bindungspersonen stoßen Prozesse im Gehirn an, die für die Lernerfahrung und für die Aktivität des Gehirns unerlässlich sind. Gemeint ist eine aktive Kommunikation mit dem Kind, die Bindungsfaktoren mit einbezieht. Aktivitäten sind intensives, aktives und zugewandtes Zuhören und Erzählen oder Lieder. Insbesondere wenn im Kleinkindalter Berührung oder Bewegung (zum Beispiel Wiegen) hinzukommt und im Kinderalter Berührung bzw. später die Gesten, fördert dies die Entwicklung des Kindes. Auch die Melodie der Stimme, der Ausdruck und die Botschaft wird von den Kindern schon im Babyalter „gelernt“ und verarbeitet.

Jetzt setze man ein Kind vor den Fernseher und schaltet ein Sprachlernprogramm ein. Oder ein als pädagogisch wertvoll gekennzeichnetes Programm. Was passiert dann? Es gibt keine Bindungskommunikation, keine Gesten (denn das Bild im Fernsehen wird nicht mit der Sprache in einen Zusammenhang gebracht von Kinderhirnen), keine bekannte Sprachmelodie, die Botschaften und Nähe vermittelt. Kein Zuhören und kein Warten auf das Kind, um ihm die Gelegenheit zum Nachahmen und Verarbeiten zu geben. Keine Berührung und keine Nähe zur Bindungsperson. Keine Hinwendung zum Kind und keine Aufmerksamkeit für das Kind. All dies hat noch gar nichts mit den Inhalten der Sendungen zu tun, sondern nur mit der Form der Kommunikation.

Prof. Hüther zur nonverbalen Kommunikation und ihrer Bedeutung für das soziale Miteinander: „[…]Dabei wird aber der Prozess, sich nonverbal zu verständigen, allzu leicht vorzeitig abgebrochen. Und die Kinder plappern dann womöglich das ganze Leben furchtbar eloquent, kriegen aber nicht mit, was der andere meint, was in dem anderen vorgeht. Weil sie Mimik und Gestik nicht ruhig lesen können.“

Diese Aussage wird durch eine amerikanische Studie belegt, die die Eltern – Kind Kommunikation untersucht. Ein positiv korrelierende Zusammenhang konnte dabei festgestellt werden: hohe Schulbildung der Eltern und die Auswirkung auf den „Gestenwortschatz“ und nachfolgend der Sprachentwicklung.  Es gibt darüber hinaus eine insbesondere in den USA festgestellte Relation von Grad der Schulbildung zum Fernsehkonsum. Je höher der Schulbildungsgrad der Eltern, desto geringer der Fernsehkonsum der Kinder.

„In jeder Familie wurden 90 Minuten der Eltern-Kind-Kommunikation auf Film gebannt. Die Auswertung des Bewegtbildmaterials offenbart einen deutlichen Zusammenhang: Je höher die Schulbildung und je größer das finanzielle Vermögen der Eltern, desto mehr Begriffe verknüpften die Kinder mit bestimmten Gesten. Während der Nachwuchs wohlhabender Familien ganze 24 Gesten mit unterschiedlicher Bedeutung differenzieren konnte, waren es in ärmeren Familien lediglich 13 Gesten.

A recent study confirms that increased televison time in a household leads to decreased verbal interaction between parent and child. Since interaction is one of the most important ways to stimulate a baby’s brain growth, less interaction can only lead to less productive brain growth. The study also explored the impact of television on young children’s verbal development.

Zusammenfassend fördert Fernsehen nämlich genau die negativen Faktoren, die Prof. Hüther herausgestellt und als Blockierer für „Die Herausbildung komplexer Verschaltungen im kindlichen Gehirn […]“ identifiziert hat.

„[…]wenn Kinder in einer Welt aufwachsen, in der die Aneignung von Wissen und Bildung keinen Wert besitzt (Spaßgesellschaft),
wenn Kinder keine Gelegenheit bekommen, sich aktiv an der Gestaltung der Welt zu beteiligen (passiver Medienkonsum),
wenn Kinder keine Freiräume mehr finden, um ihre eigene Kreativität spielerisch zu entdecken (Funktionalisierung),
wenn Kinder mit Reizen überflutet, verunsichert und verängstigt werden (Überforderung),
wenn Kinder daran gehindert werden, eigene Erfahrungen bei der Bewältigung von Schwierigkeiten und Problemen zu machen (Verwöhnung),
wenn Kinder keine Anregungen erfahren und mit ihren spezifischen Bedürfnissen und Wünschen nicht wahrgenommen werden (Vernachlässigung).“

Prof. Hüther: http://www.gerald-huether.de/

Der wirtschaftliche Erfolg eines Landes hängt letztlich vom Bildungsniveau ab, und das Bildungsniveau steht in direktem Zusammenhang mit dem Fernsehkonsum. Der massiv gestiegene Fernsehkonsum unserer Kinder bedroht – nach allem, was wir wissen – unsere wirtschaftliche Zukunft.

Prof. Spitzer http://www.tagesspiegel.de/zeitung/hirnforscher-manfred-spitzer-kinder-lernen-besser-ohne-computer/965756.html

Warum kann ich trotzdem Gründe nachvollziehen, aus denen Eltern ihre Kinder ab und zu fernsehen lassen (jedoch niemals vor dem vierten Lebensjahr: siehe Bundesprüfstelle jugendgefährdender Medien)

  1. Es kann Extremsituationen geben, in denen der Fernseher eine letzte Option ist. Sei es, dass Eltern krank sind oder einfach nicht mehr können oder einfach nur noch überfordert sind.

Jedoch würde ich persönlich eher Hörspiele vorziehen. Damit ist wenigstens die Setzung der Bilder innerlich aus dem Kind heraus gesichert und kommt nicht von außen.

2. Selbstredend müssen Kinder nicht bis zum 18. Lebensjahr isoliert von TV und Medien leben. Es ist etwas sehr individuelles ab welchem Alter Kinder ausreichend gefestigt sind um den Medien und ihren möglicherweise schädlichen Wirkungen ausgesetzt sein zu können. Deshalb müssen Eltern diese Entscheidung ebenso individuell für ihr Kind treffen.

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