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EmpathieIm Gegensatz zu vielen Blogs, Einträgen und Kommentaren bin ich der Meinung: Fernsehen ist weder notwendig für Kinder noch ist es der Entwicklung der Kinder zuträglich. Warum ich dieser Meinung bin möchte ich im Folgenden näher ausführen. Ich werde regelmässig einen weiteren Grund einfügen, bis zumindest meine „Top Ten“ aufgeführt sind

Aber nicht nur die “ Tätigkeit“ des Fernsehens an sich halte ich für nicht kindgerecht, sondern auch die präsentierten Inhalte.  Die vorher genannten Gründe waren unabhängig von den eigentlichen Inhalten zu verstehen; die Inhalte tragen jedoch zusätzlich dazu bei, dass ich TV bei Kindern ablehne. Ich muss zugeben, dieser Teil fällt mir besonders schwer. Wir besitzen seit 10 15 Jahren gar keinen Fernseher und somit muss ich einerseits auf die Erinnerung und andererseits auf mühevoll im Internet recherchierten Sendungen zurückgreifen. Dabei befiel mich vor soviel Einfallslosigkeit und idiotischer Zusammenstellung eine etwas schizophrene Geisteshaltung zwischen lachen und weinen.  Erst einmal möchte ich mich an das Thema heran tasten so wie es wohl verantwortungsbewußte Eltern machen würden: welche Filme und Sendungen werden als kindgerecht und pädagogisch wertvoll beurteilt? Wer beurteilt das eigentlich? Können sich Eltern überhaupt auf solche „Fremdbewertungen“ einlassen? Muss nicht die Individualität des Kindes im Vordergrund stehen? Aber der Reihe nach.

Die folgenden Leitlinien werden den Eltern von „Schau hin“ präsentiert:

„Sie müssen unterhaltend sein, aber auch lehrreich. […]“ Sie sollen “ nicht nur Spaß vermitteln, sondern auch die Neugier und den Wissensdurst der Kinder stillen. Fernsehen soll Kindern helfen, die Welt zu begreifen, aber natürlich auch unterhalten. “ Und weiter „Kinder brauchen also Anknüpfungspunkte zu ihrem alltäglichen Leben. Themen wie das Großwerden, die Auseinandersetzung mit dem Geschlecht oder auch der alltägliche „Kampf“ Klein gegen Groß, spielen im Kindesalter eine wichtige Rolle. Oft sind es die Medienhelden, mit denen sich Kinder identifizieren, denn sie sind Projektionsfläche für eigene Wünsche und Ängste. “

Das sind teilweise etwas vewirrende Ansprüche. So wird den Kindern unterstellt, sie fänden Themen wie das Großwerden interessant oder den alltäglichen Kampf Klein gegen Groß. Ich bleibe etwas ratlos zurück. Von welchem Kampf zwischen Klein und Groß ist hier die Rede? Meinen dieses „Experten“ allen Ernstes den Kampf zwischen Eltern und Kind? Pädagogische Ratgeber warnen reihenweise vor dem falschen und unpädagogischen Bild der Erwachsenen vom „Kampf“ mit den Kindern. Kindern zu unterstellen, sie würden die Welt der Erwachsenen als „Gegner“ begreifen, liegt einfach fern jeglicher Vorstellung und Erfahrung. Welche Medienhelden tragen wirklich die Eigenschaften, die wir Kindern als Vorbild wünschen? Alltagserfahrungen müssen ja erst einmal selber gemacht werden, bevor sie reflektiert werden können. Hierzu der folgende interessante Auszug:

Kinder müssen ihre Alltagserfahrungen in den Filmen wiederfinden. Kinder finden in ihren Helden das wieder, was der Alltag nur in Grenzen zulässt. Das lässt sich besonders gut am Beispiel der altbekannten Zeichentrickserie Tom und Jerry erklären, die Kinder noch heute begeistert. Die kleine Maus Jerry gegen den großen Kater Tom – diesen Kleinkrieg finden Kinder amüsant und kennen ihn nur zu gut aus ihrem Alltag, wenn sie sich mal wieder gegen die Eltern oder den großen Bruder durchsetzen müssen. In vielen Zeichentrickfilmen kämpft Klein gegen Groß oder auch Gut gegen Böse und am Ende des Tages geht der Kleine immer als Sieger hervor. Das finden Kinder toll. Auch wenn der Kampf zwischen den Komikhelden, wie z.B. bei Tom und Jerry, nicht gerade harmlos verläuft, sind „Gewaltdarstellungen“ in Animationsfilmen klar als Fiktion erkennbar, die Kinder leicht verdauen können. Realistische Darstellungen von Brutalität und Gewalt, mit deutlichen Folgen für das „Opfer“, können bei Kindern hingegen Ängste und Verunsicherung auslösen.“

Jetzt widerspricht die obige Darstellung ganz klar allen Untersuchungen, und zum Beispiel hier wird eindeutig darauf hingewiesen, dass die Gewaltdarstellungen in Zeichentrickfilmen gerade kleinen Jungen ein falsches Bild von Gewalt vermitteln. So wie ein kleiner erschrockener Junge aus dem Kindergarten meines Sohnes: der konnte nicht verstehen, dass ein spaßhafter Schlag mit einem Holzbalken beim Opfer zu blutenden Verletzungen und zu einem Krankenhausaufenthalt führen. Seine verzweifelter Entschuldigung: “ Bei Tom und Jerry kommt auch nie Blut“. Studien bestätigen dies. Hinzu kommt: Kinder im Alter von 3-5 Jahren nehmen  „[…] einen Film nicht als Ganzes wahr, sondern sie „picken“ sich Einzelheiten der Erzählung heraus. [Sie erkennen nicht ] ob das, was sie im Fernsehen sehen, real oder inszeniert ist. Ganz Kleine schauen vielleicht sogar hinter den Fernsehapparat, um zu erkunden, wo die gezeigten Figuren wohnen. Sie können zwischen dem technischen Apparat und der realen Wirklichkeit noch nicht deutlich unterscheiden.“ (http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Geflimmer-im-Zimmer,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf).

Noch einmal auf die oben genannten Ansprüche zurück kommend steht dort:

„Fernsehen soll Kindern helfen, die Welt zu begreifen“. Der Fehler liegt bereits im Verständnis des Wortes „begreifen“. Wie soll ein Kind BE-GREIFEN, wie sich eine Orange anfühlt, wenn sie nur im TV gezeigt wird. Ein Kind muss den Geschmack, die Schale und den Duft der Orange in der Realität sehen und BEGREIFEN, um den Begriff Orange zu verstehen. Da kann noch so ein toller stundenlanger semi-wissenschaftlicher Beitrag im TV gezeigt werden.

Erstaunlich und erschreckend ist, dass sogar Kinder um elf Jahre Sender sehen, die von Erwachsenen als „peinlich“ und „dumm“ gekennzeichnet werden. Niemand gibt gerne zu Pro7 oder RTL zu schauen. Laut Flimmo sind aber insbesondere diese Sender mit ihren Erwachsenenprogrammen in den Hitlisten der elfjährigen Kinder zu finden.

In allen Ratgebern und vielen Flyern zur Medienkompetenz wird davor gewarnt, direkt vor dem Schlafengehen TV zu schauen. Wenn TV doch so harmlos ist, fragt man sich doch: warum diese Warnungen!

Die Aussage, Sendungen könnten bildend und Wissen vermittelnd sein, wäre interessant zu untersuchen. Ich wäre erstaunt wenn bei Fernsehkindern (selbst wenn sie nur mit Bildungssendungen zugeschüttet werden), dieselben kognitiven und motorischen Fähigkeiten und Ergebnisse beim Konstruieren und Bauen von Türmen, Höhlen oder Hütten im Wald; beim Rechnen, Schreiben, Lesen oder beim Wissen über ihre Welt und Umwelt heraus kämen; verglichen mit Kindern die von früh bis spät in der Natur und in der realen Welt aktiv unterwegs sind. (auch hier gibt es entsprechende Studien zum Schulerfolg und TV-Konsum). Dass TV KEINEN Bildungseffekt hat, zeigt die einfache Beobachtung und die Statistik: Je „bildungsferner“ die Schichten, desto höher der TV-Konsum. Na, da müssen wir uns ja gar keine Sorgen mehr machen: die Bildungselite von morgen wächst vor der Glotze heran….Wer´glaubt….

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