Schlagwörter

, , , , , , , ,

Jesper Juul

Jesper Juul- Wem gehören unsere Kinder

Gestern abend habe ich das kleine Büchlein „Wem gehören unsere Kinder?“ von Jesper Juul gelesen. Ich muss vorweg bemerken, dass ich nicht ganz unkritisch Herrn Juul gegenüber war – insbesondere hervorgerufen durch die Medienberichterstattung. Das Buch war also die erste Primärquelle, die ich von Herrn Juul gelesen habe. Meine Meinung hat sich grundlegend geändert. Ich halte ihn für sehr erfahren und aus jedem Satz spricht eine vorsichtige und sehr auf das Kind fokusierte Betrachtungsweise. Leider scheint er in den Medien oft falsch interpretiert zu werden.  Seine Einstellung ein Kind von Geburt an als „kompetentes Kind“ zu behandeln, wird meines Erachtens fälschlicherweise dahingehend falsch interpretiert und umgesetzt, dass Kinder wie Erwachsene zu behandeln sind.  So wie ich ihn verstehe, geht es um das Lernen über Vorbilder und Imitation. Im Prinzip unterstützt er die modernen Ansätze von Largo, Hüther und Vertretern der Resilienzforschung. In seinem Buch „Wem gehören unsere Kinder“ plädiert er für ein Ende der festgefahrenen und emotionalen Diskussionen über Schaden und Nutzen von Kindertagesstätten. Die Entscheidung für oder wider überlässt er den Eltern, da Wirtschaft und Politik bereits eindeutig die Beteiligung der Eltern am Arbeitsmarkt fordern. Er fordert vielmehr eine neue Diskussion über Qualität der Erziehung und der Erzieher(innen). Qualität heißt für Herrn Juul, die Kinder zu hören, sich auf sie einzustellen und eine gute Erziehungspartnerschaft mit den Eltern einzugehen.

Nicht alle Ansätze und Empfehlungen teile ich  uneingeschränkt. Im Detail lässt sich streiten.

Zum Beispiel: Statt starrer Essenszeiten plädiert Herr Juul für individuelle Zeiten nach Wahl der Kinder.  Weder halte ich etwas von Zwang und starren „Fütterungszeiten“ von bis zu 70 Kindern, noch von chaotischer Individualität. Persönlich bevorzuge ich ein am Familienmodell ausgerichtetes Konzept. Dies ist harmonischer und kindgerechter. Wenn die Kinder eingebunden sind bei der Zubereitung des Essen (je nach Alter) und in kleinen Gruppen ruhig an ästhetischen Tischen in familiärer Atmosphäre gemeinsam gegessen wird, ist dies der Gruppe und auch den Kindern sicherlich zuträglicher.

Grundsätzlich halte ich den unaufgeregten Ton und die sehr tolerante, skandinavische Offenheit von Herrn Juul in dieser Debatte aber für lesenswert.

Advertisements