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Frau Schröders MärchenwaldLiebe Frau Dr. Schröder, es ist schön, dass Sie von Ihren Erziehungsmethoden so überzeugt sind und diese in die Welt hinaus posaunen und am liebsten als Goldstandard in allen Haushalten mit Kindern angewendet sehen wollen. Es wäre tragisch, stünden Sie als Mutter nicht hinter Ihren Ideen und Methoden. Es steht jedem frei, seine Ideen, Gedanken und Inhalte publik zu machen und es gibt zahllose Eltern, Lehrer und Experten die dies tun. Nun gibt es aber einen klitzekleinen jedoch gewichtigen Unterschied zwischen Ihnen und all den anderen. Sie sind eine Ministerin. Sogar eine die sich um das Ressort Familie kümmert. Das heißt, Ihr Wort hat einiges Gewicht und die Menschen können Ihren Aussagen fast gar nicht ausweichen. Insbesondere wenn man sich für Familienpolitik interessiert. Aber das wissen Sie ja, oder zumindest Ihre Berater und Fachleute. Derart prominent, sollte man scharf trennen zwischen persönlicher und privater Meinungsäußerung und politisch öffentlicher Botschaft und Initiativen.  Ihre privaten Meinungen dürften nur Wenige interessieren, Ihre politischen Äußerungen dagegen sehr Viele.

Bei Ihrer Aussage zu Kinderbüchern und Märchen fällt es mir schwer, diese Trennung zu erkennen. Sollte dies etwa eine politische Botschaft sein, gar politisches Leitmotiv? Ein Motiv, das anhand eines einfachen Bildes (Märchen) transportiert werden soll? Oder einfach nur eine misslungene Imagekampagne? Ich stelle mir gerade vor, wie Herr Schäuble Familien am Existenzminimum Haushaltspartipps gibt oder Herr Bahr als Gesundheitsminister medizinische Tipps für den Umgang mit depressiven Angehörigen vermittelt.

Nun können wir in etlichen Medien lesen, wie Sie als Politikwissenschaftlerin PÄDAGOGISCHE Empfehlungen und Expertisen von sich geben, darüber wie Eltern im Allgemeinen mit Märchen und Kinderbüchern umgehen sollten. (Ich erinnere Sie noch einmal daran, dass alles was Sie als Ministerin in die Öffentlichkeit tragen, aufgrund Ihrer Position als Fachempfehlung von vielen Menschen aufgefasst wird).

Womit genau müssen wir jetzt als Eltern rechnen? Wird Ihr  Ministerium Leitlinien aufsetzen, wie Bücher umgeschrieben werden müssen?  Werden Märchen zensiert? Werden Sie und Ihre Tochter Vor- und Leitbild für politische Massnahmen? Was folgt den Büchern? Fernsehen?  Computerspiele? Bilder aus der Renaissance oder geschichtliche Fakten? Werden Kinderliteratur und künstlerische Programme in Zukunft adaptiert an Rollenbilder, Familienleitbild der jeweils zuständigen Ressortleiterin?

Wenn wir schon dabei sind. Vielleicht haben Sie ja noch weitere Empfehlungen für uns und wir können von Ihnen lernen: Wie erklären Sie zum Beispiel Ihrer Tochter die ausbleibende Gleichberechtigung in Deutschland oder die zunehmende Kinderarmut und die Gleichgültigkeit der Politik dem gegenüber? Was erzählen Sie Ihrer Tochter über benachteiligte unterprivilegierte Kinder, die Bildungsverlierer.  Wie erklären Sie ohne Lügen, dass Ihre Tochter selber gut betreut ist, aber Sie als Familienministerin 10.000 anderen diese Möglichkeit vorenthalten und Kinder aufgrund der desolaten Betreuungssituation hin und her geschoben werden mit mehren Bezugspersonen pro Tag? Wie erklären Sie Ihrer Tochter, dass sie selber dies NIEMALS erleben wird und deshalb jetzt schon glänzende Zukunftsaussichten hat, im Gegensatz zum gleichaltrigen Kind einer alleinerziehenden Mutter mit vier Kindern?  Erläutern sie Ihr ehrlich, warum in Deutschland reiche und priviligierte Kinder wie Ihre Tochter -auch bei durchschnittlicher Begabung – die bessere Ausbildung, die besseren Jobs ergattern und es sehr sehr schwer ist für Kinder armer Eltern die existierenden Barrieren zu durchbrechen?

Sie merken schon, ich habe so meine Probleme mit Ihrem Auftritt und Ihren Aussagen; mit Ihrem nonchalanten Umgang mit Ihrer Vorbildfunktion und der völligen Missachtung der Sprengkraft und Tragweite des Gesagten. Nicht nur, dass ich Ihre Aussagen für pädagogisch falsch halte. Es ist darüber hinaus schlicht fatal, dass sich eine (Familien-) Ministerin zur pädagogischen Instanz beruft und in private Elternentscheidungen eingreift. Ausgebildete Pädagogen und erfahrenere Eltern werden Ihre Äußerungen unter der Kategorie Naivität einer jungen unerfahrenen Mutter abtun. Es gibt aber viele Menschen, die Ihre Aussagen verunsichern, die Ihnen nacheifern – und die am Ende enttäuscht sind, wenn aus ihren Kindern trotzdem keine erfolgreichen privilegierten Akademiker geworden sind.

Und wenn Sie mit Ihren unaufgefordert zum Besten gegebenen pädagogischen Ratschlägen fertig sind, können Sie sich vielleicht auch wieder um die wichtigen Themen der Familienpolitik kümmern. Mich interessiert nämlich vielmehr, wie Sie die Lernbedingungen unserer Kinder verbessern möchten. Wie Sie gleiche Bildung für alle verwirklichen. Wie Sie eine hochqualifizierte Kinderbetreuung sicherstellen wollen.  Dann können Sie Ihrer Tochter tatsächlich gegenübertreten und ehrlich von den Chancen und Vorzügen Ihrer Familienpolitik berichten. Dann müssen Sie Ihr tatsächlich keine Märchen mehr erzählen. Sollten Sie aber….

Warum Märchen für Kinder so wichtig sind

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