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Ein wunderbarer Artikel von Frau A. Speer (Kunsttherapeutin und Pädagogin) mit 20 jähriger Erfahrung. Eine gute Replik auch auf Frau Dr. Schröders Vorstoß Märchen abändern zu wollen.

Kinder brauchen Märchen – warum eigentlich? 

Viele von uns sind mit Märchen aufgewachsen. Ich selbst erinnere mich noch genau an das Aussehen des dicken grau-blauen Buches mit den Grimm´schen Märchen, aus dem meine Mutter meinen Geschwistern und mir vorlas, und an die Umgebung, in der das geschah, so gut wie immer am großen Eßzimmertisch, wir Kinder auf der hölzernen Eckbank sitzend.

In vielen Völkern gibt es Märchen (ich nenne nur die russischen, irischen oder die der Indianer); bei uns gehören die Grimm´schen Märchen zum Volksgut, das quer durch alle Schichten bekannt ist. Die Gebrüder Grimm, Jakob und Wilhelm, haben diese Märchen gesammelt, sie wurden ihnen von verschiedenen Menschen ihrer Umgebung zugetragen, z.B. auch von dem Maler Philip Otto Runge. In schriftlicher Form erschienen sie zum ersten Mal als „Kinder- und Hausmärchen“ 1812 – entsprechend wurde deren 200-jähriges Jubiläum im letzten Jahr, 2012,  begangen. Auch 2013 beschert uns ein Grimm-Jubiläums-Jahr. der Todestag von Jakob Grimm, dem älteren Bruder jährt sich zum 150. Mal.

Die Grimm´schen Märchen wurden in viele andere Sprachen übersetzt. Sie sind im Ausland sehr bekannt, gehören nicht selten auch dort zum Literaturschatz der Kinder und werden  als deutsches Kulturgut erkannt und anerkannt (vergleichbar der Bedeutung , die etwa Shakespeare für die Briten oder die Cervantes für die Spanier spielt).

Was bieten uns die Märchen heute? In schöner Sprachmelodie werden menschliche Entwicklungen dargestellt, Entwicklungen, die in allgemeingültiger Form die Verwirklichung zum individuellen Menschen zeigen. Wie werde ich ich selbst – das ist das große Thema der Märchen – wie meistere ich Aufgaben und Herausforderungen, wie überwinde ich das Böse, wie wachse ich? Oft sind die „Protagonisten“ Königssöhne oder Prinzessinnen, deren vornehme Herkunft aus ihnen noch nicht automatisch Könige und Königinnen macht, sondern die niedrige Arbeiten verrichten müssen ( Aschenputtel und Allerleihrauh z.B. die Hausarbeit, der Königssohn im „Treuen Johannes“tritt als Kaufmann auf), um auch innerlich Stärke und Führungskraft zu erringen. Viele Helden müssen die gegensätzlichen Seiten in sich vereinen, um „ganz“ zu werden. Als ganze Menschen können sie dann auch die Verbindung mit ihrer oder ihrem Liebsten eingehen.

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