Schlagwörter

, , , , , , ,

Fotolia_23835497_XSIm Gegensatz zu vielen Blogs, Einträgen und Kommentaren bin ich der Meinung: Fernsehen ist weder notwendig für Kinder noch ist es der Entwicklung der Kinder zuträglich. Warum ich dieser Meinung bin möchte ich im Folgenden näher ausführen. Ich werde regelmässig einen weiteren Grund einfügen, bis zumindest meine „Top Ten“ aufgeführt sind

TV-Konsum fördert Interesselosigkeit und Passivität der Kinder. Ich gehe sogar noch weiter und unterstelle eine Verminderung der intrinsischen Motivation durch das Fernsehen. Und damit einem der wichtigsten Faktoren, sein Leben aktiv zu gestalten und sich lebenslang weiter zu entwickeln . Heute ist ein Artikel erschienen, der den Zusammenhang zwischen intrinsischer Motivation und Mathematikleistungen in der Schule hervorhebt. 

Warum also fördert TV Passivität und daraus resultierend Interesselosigkeit und verminderte intrinsische Motivation?

Trotz Passivität beim Fernsehkonsum, ist es für das kindliche Gehirn ungeheuer anstrengend die Flut der Bilder zu verarbeiten.  Es ist daher ein Trugschluss, zu glauben, Kinder würden sich entspannen und zur Ruhe kommen wenn sie fernsehen.  Das Gegenteil ist der Fall. Sie werden von außen in ihren Emotionen geführt und die hereinströmenden Bilder müssen vom Gehirn ungefiltert und „schutzlos“ verarbeitet werden.

Es handelt sich bei dieser Unruhe aber um eine ungesunde Unruhe. Statt die Dinge selber zu erleben und zu begreifen und über Bewegung und sinnliche Erfahrungen zu lernen, wird der Körper und die meisten Sinne völlig Ruhig gestellt. Statt Inhalte ruhen und nachwirken zu lassen, sie zu überdenken und zu entspannen, wird das Gehirn mit einer Unmenge an Bildern und Emotionen bombadiert, die sich meist gar nicht mit den realen eigenen Erfahrungen der Kinder decken. Somit werden dabei keine Gehirnpfade gefestigt oder neu angelegt. Es handelt sich weder um eine echte Lernerfahrung, noch um Entspannung. Das kindliche Gehirn wird  vielmehr darauf getrimmt, passiv und ohne eigene Aktivität Inhalte „serviert“ zu bekommen. Diese Inhalte werden zudem in einer schnellen, bunten Abfolge präsentiert und erlauben werde Rückfragen, Kommunikation und Interaktion. Spannungsbögen verlaufen sehr schnell und steil, anders als zum Beispiel beim Lesen eines Buches. Dieses muss erst einmal aktiv und mit eigener Fantasie erarbeitet werden und der Spannungsbogen ist flacher. TV-Konsum entwöhnt Kinder davon, über eigene Aktivität – körperlicher oder geistiger – Probleme zu lösen. (Eine Hütte im Wald zum Beispiel ist erst nach aktiver Arbeit und Planung, vielen Fehlversuchen und Misserfolgen erbaut). Hürden müssen beim „Bildungserlebnis“ Fernsehen nicht genommen werden, Misserfolge nicht ausgehalten und selbständige Verantwortung für das eigene Handeln werden nicht geübt. Piaget drückt es folgendermaßen aus:

Wer einem Kind die Lösung eines Problems sagt, betrügt es um seine eigenen Erfahrungen

Wie sollen Kinder Interesse an Geschichten und Inhalten entwickeln die eigene Anstrengung erfordern? Ein dickes Buch, welches mit langen Landschaftsbeschreibungen startet und seinen Spannungsbogen nur langsam aufbaut, erscheint dann tatsächlich langweilig und öde und einfach nur anstrengend. Mathematische Probleme zu lösen, erfordert Eigeninitiative und aktives Nachdenken. Die Ergebnisse kommen nicht von außen und Lösungen werden nicht serviert.  Aus diesem Grund ist es kein Wunder,  dass eine große kanadische Studie zu den Langzeigtfolgen von TV-Konsum bei Kindern feststellt:

Wir haben festgestellt, dass jede zusätzliche Stunde des Fernsehkonsums bei Kleinkindern mit einer Verschlechterung des späteren Engagements in der Schule und der Mathematikleistungen einhergeht […]Sie sind später häufiger Opfer von Mobbing in der Schule, haben einen inaktiveren Lebensstil, essen mehr Junkfood und haben dadurch auch einen höheren Body Mass Index.“(Studie)

Den sogenannte „Flow“ zu erleben bei Tätigkeiten, die auf eine intrinsische Motivation ausgerichtet sind, erfordert ein Verschmelzen der Tätigkeit mit dem eigenen Selbst. Die Zeit wird vergessen, das Kind ist konzentriert und die Herausforderung wird stets als lösbar beurteilt. Beobachten kann man diesen „Flow“ bei Kindern, die beispielswiese einen Bauernhof aus vielen Einzelteilen oder endlose Straßen für ihre Autos erbauen oder unermüdlich aus Holzklötzen einen Turm konstruieren. Auch Misserfolge führen nicht zur Aufgabe beim Kind.

All dies sind Dinge, die das Kind über eigene Tätigkeiten erlernt. Das kindliche Gehirn setzt dann diese „Flow“ Erfahrungen und Erlebnisse auch außerhalb des Spiels, zum Beispiel in der Schule oder beim Erarbeiten von interessanten und schwierigen Wissensbereichen ein. Der resultierende Spaß am Erlernen und Erfahren von neuen Themen, führt dann automatisch zum Lernerfolg, wie eine Studie zur Wichtigkeit der eigenen Motivation im Gegensatz zur Intelligenz aufzeigt. 

Advertisements