Schlagwörter

, , , , ,

businessplanVorab einige grundsätzliche Bemerkungen:

1. der so zitierte Stundenlohn ist der Umsatz! Hiervon gehen Kosten und Steuern etc ab! das heißt im Klartext: bietet die Tagesmutter den Kindern hochwertiges Essen und hochwertiges Spielzeug, Bastelmaterial, Lebens -und Spielumfeld, so reduziert sie ihren Gewinn! Wollen wir das für unsere Kinder?

2. die Tagesmutter ist nicht gegen Krankheit, Lohnausfall (zB wenn gerade nur zwei Kinder sich anmelden oder sie monatelang nur ein Kind betreut) oder Berufsunfähigkeit geschützt. Hinzu kommt, dass etliche Jugendämter nur die Betreuung von 2-3 Kindern erlauben weil die Wohnung zu klein ist oder der Tagesmutter eine Betreuung von mehr Kinder nicht zugetraut wird etc.

3. Es müssen erhebliche Kosten in Kauf genommen werden. Entweder die eigene Wohnung ist so groß und somit auch teuer, dass auch 5 Tageskinder aufgenommen werden können oder es wird gar eine Tagesmutterwohnung möglichst mit Garten angemietet. Neben Spielzeug, 5 Bettchen, Besteck, Geschirr, Stühlen usw muss die gesamte Wohnung entsprechend der Auflagen des Jugendamtes angepasst werden. Hier mag man gerne einwenden: das sind ja nur Anfangsinvestitionen. Die aber in der Regel weit über Euro 1000 liegen. Diese müssen – wie in jedem Unternehmen – mit eingerechnet werden. Hinzu kommen Pflegeartikel, Hygieneartikel, Bastelmaterial, Kommunikation und Büro, Beiträge für Versicherungen im Zusammenhang mit der Tagesmuttertätigkeit, Weiterbildungskosten, anteilige Nebenkosten, Spielgeräte für drinnen und draußen, usw usf. Wie bei jedem anderen Unternehmer, fallen natürlich auch unbezahlte Stunden an. Rechnungen schreiben, Steuerklärungen, Elterngespräche, Elternabende usw usw.

4. Wir nehmen jetzt einfach einmal an, dass die Tagesmutter überhaupt als Tagesmutter in ihrer Wohnung tätig werden darf. Oder dass sie jemals einen Vermieter findet, dem es nichts ausmacht fünf Kinder in der Wohnung zu wissen (Entsprechende Urteile gibt es ja: siehe Urteil des BGH Köln)

5. Die Betreuungszeit beträgt zwar „nur“ 40 Stunden pro Woche, jedoch müssen die Zeiten für Gespräch mit Eltern, Dokumentation, Jugendamtsgespräche, Einkäufe und Aufräum- und Putzarbeiten (Achtung Hygienerichtlinien) noch hinzu gerechnet werden. Zusätzlich nehmen wir jetzt einfach einmal an, dass alle Kinder gleichzeitig da sind und nicht das eine Kind um 7 Uhr früh gebracht wird und dafür um 15 Uhr abgeholt und das nächste um 12 Uhr gebracht  und um 20 Uhr abgeholt wird -wie es der Realität entspricht.

6. Sind all diese Kosten einmal abgerechnet, bleibt von dem großzügigen Lohn noch der Bruttolohn übrig. Dieser muss – wie überall- versteuert und die entsprechenden Renten- und Krankenversicherungsbeiträge abgezogen werden.(hier wollen wir nicht verschweigen, dass sowohl Rentenbeiträge als auch Krankenkassenbeiträge zu 50% vom Jugendamt erstattet werden). Aber auch das haben wir in unseren Businesscase eingerechnet.  Erst DANN sind wir beim Nettolohn.

7. Eine Tagesmutter, die vernünftig und kindgerecht arbeitet, wird auch nicht neben der Kinderbetreuung ihren Haushalt + Einkäufe schmeißen. (Alle Eltern mit fünf Kindern oder mehr, werden das bestätigen) Insbesondere, da die Kinder meist unter drei Jahren sind und die Tagesmütter äquivalent zu(r)m Erzieher(innen), einen Bildungsauftrag hat (siehe auch §22 SGB VIII).

Aber, wir wollten ja konkret werden und uns einen tatsächlichen Businesscase anschauen…  Um hier nicht die Werbung der Bundesregierung für den Beruf der Tagesmutter „Kinder als Jungbrunnen“ zu konterkarieren, habe ich bewusst einen sog. best case gewählt. Das heißt auf deutsch: es ist immer von einem sehr positiven Verlauf ausgegangen worden. Wir gehen also aus von einer Vollauslastung und einem wunderbar netten Vermieter und einer tollen Wohnung mit Garten, die nicht zu teuer ist und mit keinen sich beschwerenden Nachbarn UND das Jugendamt hat auch keine Umbaumaßnahmen oder Anderes gefordert und ist auch noch kooperativ.

Der Case: Das Beispiel betrachtet eine alleinerziehende Mutter mit zwei bis drei eigenen Kindern -natürlich in einem pflegeleichten Alter. Sie hat das Glück gehabt, einen Vermieter zu finden, der mit so vielen Kindern einverstanden ist und sie als halbwegs solvent betrachtet. Da sie kein Auto hat, muss sie etwas näher an einer Stadt wohnen aber dann auch mit Fahrtgeld für Bus und Bahn rechnen. Eine Kaltmiete von ca. Euro 1300 für ein Haus mit Garten im städtischen Umfeld und einer Größe von mindestens 120 m2 /(ansonsten wird es knapp mit der Erlaubnis für 5 Kinder) ist ein riesen Glücksfall. Wir betrachten das Ganze also als ein sogenanntes best case Szenario. Diese Mutter ist gesundheitlich völlig fit und muss somit nicht mit unbezahlten Ausfallzeiten rechnen. Auch der kurze Jahresurlaub von 2 Wochen wird von den Eltern weiter gezahlt.

Annahmen: 

  • komplette Auslastung mit 5 Kindern a 40 Stunden/Woche
  • hoher Stundenlohn von Euro 5/Stunde pro Kind. Im Bundesvergleich ist dieser Lohn sehr hoch und unterscheidet sich von Kommune zu Kommune und kann auch bei Euro 2,20/Stunde liegen.
  • Das Essensgeld von Euro 2 beinhaltet leider keine Bio oder gar Demeternahrung und  könnte höher sein, ist aber in dem Case als durchlaufender Posten betrachtet und somit 1:1 weitergegeben.
  • Das Best case Szenario gilt für den Geldbeutel, nicht jedoch für die Arbeitsbelastung: die Mutter arbeitet für die Tageskinder 40 Std in der Woche. Dann muss noch geputzt und eingekauft (ohne Auto) werden. Ihre zwei bis drei Kinder benötigen auch etwas Zeit und wollen gerne Reiten, Instrumente lernen, in Sportvereine gehen usw.

Was können wir also im Ergebnis sehen?

Alle diese Annahmen ergeben ein Nettoeinkommen von ca. Euro 1600 Euro. Das hört sich erst einmal sehr sehr gut an. Nun muss aber beachtet werden, dass immer noch ca. Euro 1100 Miete/Nebenkosten/Strom etc  für die Mutter zu zahlen sind. Sie muss also von ca 500 Euro + Kindergeld ihre gesamten Lebenshaltungskosten bestreiten. dh: Lebensmittel, Telefon, Kleidung, Anschaffungen, Schulbedarf, Ausstattung der Hobbies, Instrumentalunterricht, Versicherungen, Zug und Bahnfahrten, Bücher usw. Dabei arbeitet sie 50-60 Stunden.

Das mag ja für so manchen immer noch ganz vernünftig klingen. Ist aber nur der Fall, wenn die fünf Kinder durchgängig betreut werden dürfen.  Bereits bei vier Kindern sind wir bei einem Nettoeinkommen von Euro 1342 angelangt. Und auch hier muss dann noch die Wohnung bezahlt werden. Um den Kommentaren a la: „Ja, aber welche Alleinerziehende kann sich denn so eine teure Wohnung leisten? Ich würde ja in eine kleine Wohnung in der Stadt ziehen…. “ Bitte bedenken: in einer kleinen Wohnung bekommt man keine Erlaubnis vom Jugendamt fünf Kinder zu betreuen. Es muss immer ein Spielbereich und ein eigener Schlafbereich vorhanden sein.

Hinzu kommt. Was passiert bei Krankheit?  In einem vernünftigen Business case müsste dieser Fall einberechnet werden.  Wir wollen hier ja aber nicht die Argumentationslinie der Bundesregierung bzw. der Landesjugendämter verlassen und passen uns dementsprechend an. Es gibt also keine Krankheit und somit keine unbezahlten Arbeitstage/Wochen….

Bei zwei betreuten Kindern und 40 Stunden Betreuung kämen am Ende schon nur noch Euro 430 heraus… das reicht wohl nicht für die Miete und Lebensunterhalt. Auch nicht mit einer kleineren Wohnung.

Jetzt darf wirklich GAR nichts passieren. Weder die Mutter dauerhaft krank oder gar arbeitsunfähig werden. Keine Kinder dürfen plötzlich wegbrechen und somit Plätze über Monate nicht besetzt sein. Vielleicht passt der Dame beim Jugendamt auch die Nase der Tagesmutter nicht und somit werden keine Kinder vermittelt.  Die Folge wäre Hartz iV und ein Umzug in eine kleinere Wohnung….

Jetzt stelle man sich das Ganze mit einem geringeren Stundensatz vor….

Ich bin gespannt auf eure Kommentare… 🙂 und schließe hiermit auch nicht aus, dass sich Denkfehler eingeschlichen haben oder Excel falsch gerechnet hat (ich natürlich nicht 😉 Es wäre ja nur gut, wenn sich hier eine bessere Kalkulation ergeben würde.

Wen der Case interessiert: das Excel ist auf demKIND-gerecht Portal veröffentlicht und zum Downloaden.

Advertisements