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Feuer mit KindernDer Herbst ist die ideale Zeit, um mit Kindern in den Wald zu gehen. Erstens finden wir unendlich viel Bastelmaterial für die dunkleren regnerischen Herbst -und Wintertage. Zweitens gibt es für Kinder kaum etwas schöneres, als im bunten Herbstwald zu rennen und durch Blätterberge zu pflügen. Was aber noch viel wichtiger ist: Es wird früh dämmrig und dunkel, gleichzeitig ist es noch nicht so eiskalt und so können noch am Abend um ein Lagerfeuer kleine Abenteuer und großer Zauber erlebt werden.

Was fasziniert Kinder an allen Arten von Feuer und warum erinnern sich selbst Erwachsene gerne an Momente der Lagerfeuererlebnisse?  Versucht es einmal selbst und kündigt den Kindern ein Waldabenteuer mit Lagerfeuer an. „Erfahrene“ Kinder werden sich sofort die letzten Lagerfeuererlebnisse erinnern; alle anderen Kinder werden „Feuer und Flamme“ sein und mit großem Eifer helfen das Feuer vorzubereiten. Viele werden jetzt einwenden, dass ein Feuer – insbesondere im Wald – viel zu gefährlich ist. Und überhaupt, Feuer mit Kindern…!  Und ja, Feuer kann gefährlich sein und ist nicht zu unterschätzen. Deshalb müssen Regeln eingehalten werden, auch von den Erwachsenen: Sie sind Vorbild und müssen die Situation immer unter Kontrolle haben. Ein gemeinsamer Kinoabend ist also sicherlich bequemer!

Der Gewinn, den die Kinder und die ganze Familie aus einem gemeinsamen Lagerfeuertag ziehen können, wiegt aber alle Mühen und Vorbereitungen auf.

Zur Technik und Auswahl des Platzes sowie kindgerechten Regeln und Tipps beim Feuermachen bitte hier schauen. Ebenso finden sich Einträge zur Nahrungsbeschaffung und Nahrungszubereitung im Wald und am Lagerfeuer.

Aber noch einmal zurück zum Thema: Was macht ein Lagerfeuer zu so einem einmaligen unvergesslichen Erlebnis?

1. Die Familie/Gruppe ist ganz auf sich gestellt. Alle konzentrieren sich auf eine Aufgabe. Jeder ist ein Teil dieser Aufgabe und trägt zu ihrem Gelingen bei. Dies führt zu einer konzentrierten Kommunikation und zu einem extrem starken Gruppen/Familienband. Gemeinsam wird AKTIV an Problemen gearbeitet und selbst die ganz Kleinen verstehen, dass hier etwas Wichtiges und Geheimnisvolles und sonst ja eigentlich ganz Verbotenes und Gefährliches im Gange ist.

2. Wenn das Feuer endlich brennt wird die Freude des Gelingens gemeinsam erlebt. Das „Familienfeuer“ brennt und die Dunkelheit des Abends umgibt die Gruppe. Das Feuer aber gibt Wärme und Sicherheit. Die Schatten der Bäume und der Pflanzen tanzen zu den flackernden Flammen des Feuers. Es entsteht ein Innen und ein Außen mitten im Wald. Das Innen mit der Familie und dem Feuer – fast wie in einer Höhle. Das Draußen ist dunkel und kalt und auf eine angenehme Weise geheimnisvoll. Dieses Gefühl kann durch Geschichten noch verstärkt werden. Für die kleineren Kinder bieten sich Pflanzenmärchen (z.B.von Jakob Streit), aber auch jede andere Form von Märchen an. Für ältere Kinder können Abenteuer- oder Gruselgeschichten hinzukommen. Ein größeres Abenteuer, als nach solchen Geschichten mutig in das Dunkel zu laufen, mit einer Taschenlampe oder einer Fackel in der Hand, kann es kaum geben.

3. Auch das Essen spricht in seiner archaischen Form die Kinder besonder an.  Essen mit den Fingern, von der Hand in den Mund, in der „wilden“ Natur, vielleicht selbst gesammelt und voller Ungeduld erwartet. Kaum ein Kind hier den Mund verziehen oder etwas nicht mögen.

4. Darüber hinaus werden wichtige entwicklungsfördernde Aspekte angesprochen. Insbesondere im Wald hat jede Aktion einen direkten Effekt. Neben der Ansprache aller Sinne in sehr konzentrierten Form (sehen, riechen, schmecken, fühlen) und dem Erlebnis in der Gruppe (soziale Kompetenzen), werden Wagnisbereitschaft, Interesse, Bewegungslust und -motivation sowie Konzentrationsfähigkeit geschult.

Viele andere Aspekte sind denkbar und interessant. Jedes Kind und jeder Mensch erlebt ein Lagerfeuer anders. Ich zumindest habe noch nie von einer schlechten Erinnerung im Zusammenhang mit einem Lagerfeuer gehört…

„Die aktive Seite der Erfahrung ist Ausprobieren, Versuch – man macht Erfahrungen. Die passive Seite ist ein Erleiden, ein Hinnehmen. Wenn wir etwas erfahren, so wirken wir auf dieses Etwas zugleich ein, so tun wir etwas damit, um dann die Folgen unseres Tuns zu erleiden. Wir wirken auf den Gegenstand ein, und der Gegenstand wirkt auf uns zurück.“

– John Dewey

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