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Kinderwissen

Nie zuvor haben Eltern, Lehrer und Erzieher und Politik und Gesellschaft mehr Geld investiert um das von ihnen definierte „notwendige“ Wissen möglichst effizient und effektiv in Kinder zu transportierten. Im Gegensatz hierzu, wird immer wieder bemängelt, wir wenig Kinder wissen und wie schlecht sie nach der Schule auf das Leben und den Beruf vorbereitet sind. Inzwischen haben selbst die großen Unternehmensberatungen und die Pharmaindustrie diesen Trend aufgegriffen und den Markt und das Potential für sich entdeckt. Unbenommen von den Märkten, die bereits seit langem in diesem Markt aktiv sind und verstanden haben wie Bedürfnisse zu schaffen sind zum Beispiel die Spielzeug und Lebensmittelindustrie. Das Ziel ist es die Bereitschaft der Zahlenden für immer neue „Produkte“ zu wecken. Eltern sind natürlich eine dankbare Zielgruppe: Entspricht das Kind den Normen oder überflügelt es sie sogar, so wird dies als Elternerfolg verbucht. Elternerfolg im Sinne von: richtig und gut investiert. Die „erfolgreichen“ Eltern zeigen dann ihr Kind bzw die Normerfüllung ihres Kindes herum und werden zu „wertvollen“ Multiplikatoren. Andere Kinder, Normabweicher wiederum, kommen über geschürte Ängste als Zielgruppe in den Fokus. Eine typische Erklärung: die Eltern haben wohl nicht genug investiert, sie sind ja selber Schuld, dass das Kind nicht richtig funktioniert. Dies wiederum führt zu einer „Kultur“ und neuen Produkten: Ausredeprodukte. „Schuldige“ Faktoren wie Krankheiten, psychologische Umstände oder angeborene Mängel , die die Abweichung erklären können. Auch hier entsteht ein ungeheurer Markt, die der Korrektur dieser Faktoren dienen.

Das perfide an diesen Strategien ist, dass die Definitionen und Begriffe eines kindgerechten Ansatzes, missbraucht  und für die eigenen „Produkte“ verwendet werden. Wird also von Wissenschaftlern und Pädagogen von der lehrreichen Wirkung des Spiels gesprochen, so findet man diese Erkenntnisse verkürzt in Slogans in den Läden auf Produkten wieder. Dies sind die positiven Verstärker. Die negativen Verstärker sind die Ängste. Ängste, zu versagen, oder auch die eigene Angst oder das eigene vergangene Versagen, in dem „Projekt“ Kind dann alles erreicht zu haben, was man selber nicht erreichen konnte. Ängste auch, vor einer ungewissen Zukunft. Der Gedanke daran, dass die eigenen Kinder sich vielleicht nicht so überfordert fühlen mögen, wie man selber.

Dies sind nur einige Aspekte und Faktoren, die letztendlich unter anderen dazu führen, dass sich die Spirale dreht. Hin zu mehr Investitionen, zu mehr „business“ und zu mehr: weg vom inneren Kind. Immer geht es nur darum, der „Erwachsenenwelt“ gerecht zu werden. Auch der Ansatz: Ich will nur das Beste für mein Kind, ist ja mit einem Anspruch verbunden: „Wenn ich so viel investiere, dann muss aber bitte ein sehr gutes Ergebnis herauskommen. Nicht das beste Ergebnis für das Kind, sondern das beste Ergebnis aus „Erwachsenensicht“.

Es geht also um Optimierung:Neue Begriffe, Module und Definitionen werden kreiert und alle Mechanismen, die für die Produktion in der „Erwachsenenwelt“ funktionieren, übertragen und versucht zu nutzen. Wir finden inzwischen Kanban und Scrum (usprünglich aus der Softwareentwicklung) empfohlen und angewendet in Schulen, Kindergärten und Elternhäusern. Dabei werden meist kritische Diskussionen aus der Fachwelt und aus den Anwenderkreisen der Methoden, völlig ausgeblendet. Ebenso Überlegungen zu notwendige Anpassungen der Methoden, wenn das Ziel und der Anwendungsbereich gewechselt werden.

Die große Frage aber bleibt doch: Wollen wir ein „optimiertes“, angepasstes Kind? Weiß irgendjemand, was eigentlich das notwendige Wissen in 20 Jahren sein wird? Trendforschern, Zukunftswissenschaftlern und technischen Experten fällt es schwer die Entwicklung im Bereich der Technik für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu bestimmen und wir glauben zu wissen was der Stand der Technik in zwanzig Jahren sein wird?

Die richtige Reaktion kann doch nur die folgende sein: gebt den Kindern Raum sich zu entwickeln. Gebt ihnen die Möglichkeit später flexibel auf alles zu reagieren, was auf sie zukommt. Nicht auswendig gelerntes Wissen, sondern angewendetes Wissen, Neugier und Grundprinzipien dieser Welt, sind die entscheidenden Faktoren. Zusammengefasst: Problemlösungskompetenz

Stylonic hat dieses Thema noch von einer anderen Seite beleuchtet

 

ausgewählte Quellen:

Der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Bildung stieg zwischen 2005 und 2010 von 10,1 auf 10,6 Prozent der öffentlichen Gesamtausgaben)

http://mckinseyonsociety.com/how-the-worlds-most-improved-school-systems-keep-getting-better/

Kanban/Scrum:http://www.djaa.com/kanban-without-pull

Wissen, Kurse, usw. und trotzdem Lebenswissen: http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/britische-studie-schueler-wissen-nichts-ueber-ernaehrung-a-903496.html

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