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die richtige Betreuungsform für mein Kind finden...

die richtige Betreuungsform für mein Kind finden…

Die Frage, warum die Qualität in der Tagespflege oft nicht den Anforderungen der Experten und vor allem der Eltern entspricht, habe ich bereits mit den beiden Beiträgen Qualität der Ausbildung und Konzept und Realität beantwortet.

Der Auswahlprozess bei der Suche nach der richtigen Betreuungsform, bleibt für Eltern schwierig.

Die Anforderungen und Wünsche der Eltern sind so individuell, wie Familienstrukturen, Wertvorstellungen und pädagogische Ansichten individuell sind. Das heißt, die Qualität  einer Einrichtung wird immer dann hoch eingeschätzt, wenn Pädagogik, Werte und Lebensmuster sich annähernd ähnlich sind. Die tatsächliche Umsetzung, also das WIE, muss nicht immer gleich sein, jedoch sollten die Grundvorstellungen und Richtungen übereinstimmen. Konkreter: eine Betreuungseinrichtung überlässt den Tagesrythmus  und die Entscheidung ob gespielt, gegessen, gebastelt oder geruht wird, dem Kind.  Im Gegensatz dazu, wird in der Familie auf einen rythmischen und strukturieren Tagesablauf und gemeinsames Singen, Malen und Geschichtenerzählen geachtet. Die Folge: das Kind gerät in Konflikte und wird aus seinem Rythmus gerissen. Die Bezugspersonen widersprechen sich in ihren Wertevorstellungen und Grundeinstellungen. Oder im Kindergarten werden gemeinsam Filme geschaut und die Kindergartenbetreuer regen anschließend Gespräche über das Gesehene an. Auf Elternseite wiederum, gibt es keinen Fernseher und das Leben läuft medienfrei ab.  Kinder bemerken diese kleinen und großen Widersprüche und zwar schon in einem sehr jungen Alter.

Weitere Konfliktpunkte können sein:

  • Spielzeug in Quantität und Beschaffenheit (Naturmaterialien vs. Plastik, dezente Farben vs. grelle leuchtende und blinkende Farben…)
  • Religion (atheistisch vs. christlich geprägt)
  • Ernährung und Tischmanieren (Bio vs. Kantinenessen, offenes Buffet vs. Messer und Gabel und gemeinsames Essen, Vegan oder vegetarisch vs. fleischlastig)
  • Medien (Lerncomputer und CDs vs. Singen und musizieren und Geschichtenerzählen)
  • …..

Die richtige Einrichtung ist für Kind und Eltern von herausragender Bedeutung. Es lohnt sich also in den Auswahlprozess und in die Priorisierung zu investieren, auch wenn es zeitaufwändig und anstrengend ist.

Folgendes Vorgehen kann dabei sehr hilfreich sein:

1. die eigenen Grundwerte, Regeln und Werte und die pädagogischen Grundpfeiler der gewünschten Erziehung sollten einem bewusst und klar sein. Diese können in einer Art mind-map auf ein Papier geschrieben werden oder noch besser: auf einzelne Post-its. Diese lassen sich dann später einfacher hin und her schieben.

2. Gruppieren der einzelnen Punkte: die einzelnen Punkte werden nun geordnet. Manchmal dauert es etwas und eine Sammlung an Punkten ist ohne Überpunkt. Es kann hin und her geschoben werden, bis man zufrieden ist und für jede Punktewolke einen Überbegriff/Übersatz gefunden hat.

Mögliche Überpunkte können sein:

  • Räumlichkeiten und Aussengelände
  • Betreuungszeiten und Flexibilität
  • Mahlzeiten (Qualität des Essens und der Form)
  • Umgang und Präferenz von Naturerlebnissen und eigenen Erfahrungen
  • Religöse Ausrichtung
  • Gruppengröße und Konstanz der Betreuung
  • Wie lange halten sich die Kinder draußen auf?
  • Ruhemöglichkeiten
  • Medienumgang
  • Konzept (zB offenes unstrukturiertes Konzept, Rythmisch und strukturiert, Lernprogramm in Kurssystem…. )
  • Elternkontakt und Angebot
  • …..

3. Die Wichtigkeit der einzelnen Punkte priorisieren: Geben Sie Ihren Punktewolken/oder den Einzelbegriffen eine Bewertung von 1-3 (1 ist weniger wichtig und 3 ist ganz wichtig) und sortieren Sie diese in eine Rangfolge. Die Überbegriffe mit den meisten Bewertungspunkten steht an erster Stelle

4. Es hilft dabei manchmal sich einen Vierfelderquadranten aufzuzeichnen. Eine Achse beschreibt zB das WIE (also die pädadogische Umsetzung) die andere Achse das WAS (die Wertevorstellung). Außen ist wichtig und innen unwichtig. Quadrant 2 (rechts oben) ist der Quadranten in dem sich Ihre Punkte befinden, bei denen Sie keine Kompromisse eingehen sollten. Auch bei den Quadranten 1 und 4 muss man vorsichtig sein. Quadrant 3 (links unten) ist der „Kompromissquadrant“.

Bei zwei pädagogischen Entscheidern (zB Vater und Mutter) können auch diese an die Achsen geschrieben werden um einen gemeinsamen Nenner festzustellen.

Beispiel (Was/WIE) „Naturerlebnisse“. Wenn ich Naturerlebnisse als einen sehr wichtigen Punkt ansehe, würde ich ihn auf der x-Achse (WAS) weit rechts anordnen (wichtig). Dann ist auch noch das WIE (y-Achse) entscheidend. Wenn ich eine klare VOrstellung habe, dass damit lange Wald-oder Naturspaziergänge gemeint sind, dann gehört der Punkt auch hier ganz nach oben. Dh der Punkt landet im Quadranten 2.

5. Eine „Giftliste“ führen: Alle negativen Punkte sammeln. Was ist ein absolutes „no-go“. Diese Liste sollte sich ruhig im Prozess entwickeln. Manchmal sieht man eine Betreuung oder trifft eine Betreuungsperson und erst dann wird einem klar, was man ganz und gar nicht möchte.

Die Suche beginnt:

1. Netzwerke: Jeder trifft Menschen oder hat Freunde oder Bekannte mit Kindern. Ist dort eine Familie, die ähnliche Wertvorstellungen hat? Von wem werden diese Kinder betreut? Ist die Familie zufrieden? Je genauer SIe die Familie kennen und Ihre Vorstellungen übereinstimmen, desto einfacher wird es sein Vertrauen zu entwickeln.

2. Erstauswahl über Werbeflyer, Internetauftritten und Nicht nur die Werbeflyer durchlesen und danach beurteilen. Häufig stehen dort Dinge, die mit der Realität nicht viel zu tun haben. Ein Wochenprogrammpunkt: „Kinder entdecken die Natur (Zwiebelpflanzen)“, kann dann bedeuten: alle Kinder schauen zu wie die Betreuerin 10 Tulpenzwiebeln setzt und eine Zwiebel aufschneidet. Die Tulpen werden dann nie wieder beachtet…

3. Gespräche führen: Nach der Erstauswahl Gespräche führen oder auf pädagogische Einführungsveranstaltungen gehen. Immer den eigenen Zettel im Kopf oder sogar dabei haben. Vielleicht ergänzt sich der Zettel, angeregt durch einige Ideen und auch die „Giftliste“ füllt sich. Eine halbwegs gute Einrichtung, wird daran interessiert sein, Ihre Vorstellungen zu erfahren und Sie und Ihr Kind kennen zulernen.

4. Wann und wenn immer möglich, sprechen Sie mit Eltern in den präferierten Einrichtungen. Fragen Sie gezielt nach den Punkten, die Ihnen besonders wichtig sind. Aber vergessen Sie nicht: diese befragten Eltern, verstehen Ihre Punkte vielleicht anders oder legen sie anders aus. Es kann also immer nur ein Anhaltspunkt sein

5. Viele Betreuungsangebote lehnen eine Hospitation aus gutem Grunde ab. Eine Kindergruppe kann empfindlich gestört werden, wenn ständig Beobachter anwesend sind. Die Ablehnung ist also ganz und gar nicht ein Zeichen von einer schlechten Qualität. Fragen Sie nach dem Konzept für Eingewöhnungen der Kindern. Gibt es einen Probebesuch oder Spielgruppen. Oder gibt es eine bestimmte Zeit in der das Kind mit den Eltern die Einrichtung besuchen kann?

6. Am Ende werden Sie für Entscheidung nur Ihr Bauchgefühl haben. Fühlen Sie sich wohl, sprechen die Persönlichkeiten der Betreuer Sie an, stimmt das Konzept? Wird ein gutes Eingewöhnungskonzept geboten. Nehmen sich die Betreuenden viel Zeit für Sie und Ihr Kind?

Nach der Auswahl:

1. Beobachten Sie Ihr Kind und sich selber genau. Ist das Kind nach einiger Zeit angekommen und freut sich auf die Betreuung? Haben Sie ein gutes Gefühl, wenn Sie Gespräche mit der Betreuerin führen? Bemerken Sie Widersprüche in dem was IHnen gesagt wurde und was in der Realität getan wird?

2. Überprüfen Sie Ihre Liste mit den Dingen die in der Betreuung tatsächlich stattfinden. Sind Ihre Punkte getroffen? Oder mussten Sie sehr viele Kompromisse machen, die Ihnen „Bauchschmerzen“ verursachen? Gibt es Punkte, mit denen Sie sich arrangieren konnten, weil sie sich doch als nicht ganz so wichtig herausgestellt haben?

Am Ende ist es entscheidend, dass das Gesamtbild stimmt. Obwohl nicht 1: 1 Ihre Liste abgebildet sein mag, scheint es insgesamt harmonisch zu sein? Grundsätzlich sollten Sie bei Punkten aus dem 2.Quadranten sehr vorsichtig sein. Wenn diese Punkte nicht beachtet sind oder anders als von Ihnen definiert umgesetzt werden, birgt dies über die Zeit hohes Konfliktpotential.

Weitere Beiträge zu Tagesmüttern und dem Erkennen von Missständen unter paradisi.de

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