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kind am strandIm Blog über die „verwöhnten“ Kinder habe ich es ja schon angekündigt: Ein Beitrag zur Anforderung der Kinderbetreuung. Manch einen mag es verwundern, dass ich mich dazu berufen fühle, an dieser Stelle den x-ten Artikel zur Kinderbetreuungssituation zu bloggen. Es ist ja so, dass wir in allen Zeitungen mit schöner Regelmäßigkeit Artikel zu diesem Thema finden. Ich schreibe also nicht aufgrund eines Zeitungsartikels, sondern eher für die vielen Zeitgenossen (und davon gibt es doch tatsächlich einige), die ihre etwas schizophrene Haltung in Kommentaren zu oben genannten Artikeln verkünden oder auch für jene die in Gesprächen einstimmen in das allgemeine Jammern  über die nervigen Kinder und Familien mit Kindern. Immer mit der Intonation „die Jugend von heute…“ und „hätte ICH mir das damals erlaubt….“ und „wir hatten früher auch kein Geld und Spielzeug“ . Sehr deutlich und auf den Punkt brachte es ein Kommentator der sich darüber wunderte, dass irgendjemand höhere Bildung von Erzieherinnen fordern könne. Schließlich müssten diese doch nur die Kinder anziehen, die Tür aufschließen und sie raus lassen…. Also in Antwort auf all diese Menschen die meist selber keine Kinder haben und sich leider auch nicht mit der Zukunft der Gesellschaft auseinandersetzen wollen.

 

Der Bildungsstand hat einen großen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten und damit auf die Gesundheit und gesunde Kinder lernen besser

Ich könnte jetzt ganz platt mit Studien antworten. Mit  Studien wie die zur sozialen und gesundheitlichen Lage des Robert Koch Institutes mit der Aussage: „Bildung wirkt sich unabhängig vom Einkommen auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten aus“ (2) oder eine Studie der Bertelsmannstiftung die zu dem Schluss kommt: Bildungspolitik ist zugleich auch Gesundheitspolitik (3) die eindeutig belegen, dass die Kinder von gebildeten und informierten Menschen gesünder und sportlicher sind. Oder auch Rückschlüsse auf die Kriminalität und somit volkswirtschaftliche Kosten ziehen. Das wäre aber zu einfach und ist bereits bekannt. Es geht hier ja nicht nur um gesund und sportlich und somit meist sprachgewandter, bewegungsfreudiger usw . Es geht auch um die Kinder aus den Familien in denen ein Buch viel wert ist. In denen musiziert und gelesen wird. In denen gemeinschaftliches Essen, Rhythmus und Kultur wichtig ist. Denn denen ist es natürlich wichtig, dass die Erzieher nicht nur von der letzten „Deutschland sucht den Superstar Sendung“ reden, bei denen „raus gehen“ heißt: Sandkasten, macht euch nicht dreckig und uns möglichst wenig Arbeit  und die selber einen limitierten Wortschatz verwenden, weder Kinderlieder noch Kindersprüche können und mit denen Elternkommunikation kaum möglich ist.

In bildungsfernen Familien wird mehr ferngesehen. Das ist der Killer für die Gesundheit, ein normales Gewicht und die psychische Entwicklung. Studien haben ergeben, dass bereits ein beträchtlicher Anteil an Erstklässlern aus niedrigen sozialen Schichten einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hat. Unkontrollierter Medienkonsum unterdrückt das Gespräch in der Familie und hat weitreichende Konsequenzen – auch für die Lernfähigkeit und die soziale Kompetenz der Kinder. Bis zum Alter von drei Jahren sollten sie ganz ohne Bildschirm aufwachsen.(4)

Es geht aber noch vielmehr um die Kinder, die bereits in Elternhäusern nur von Medien umgeben sind und denen niemals vorgelesen oder vorgesungen wird. Die sich zum Essen eine Chipstüte aus der Schublade ziehen und noch nie durch einen heimischen Wald getobt sind. Kinder, die zwar die Pokemons per Namen kennen, aber die Tiere auf einem Bauernhof oder in der heimischen Flora und Fauna nicht unterschieden können. Die hervorragend mit der Playstation umgehen können, aber Schwierigkeiten haben rückwärts zu laufen, einen Purzelbaum zu schlagen oder einen Ball zu fangen. Die also gefährdet sind in ihrer Sprach-Bewegungs und Sozialmpetenz hinterher zu hinken.  Diese Defizite zu ERKENNEN und dann IDEEN zu entwickeln wie diese Kinder aufgefangen werden können, bedeutet, dass Erzieher um diese Dinge wissen, Methoden und Konzepte entwickeln können um Defiziten entgegenzuarbeiten. Und natürlich bedeutet es auch, darum zu wissen, wie wichtig das Toben und Spielen in der Natur bei jedem Wetter ist und mit ihnen raus zu gehen. Ebenso gehört dazu, mit den Eltern Gespräche zu führen. Die Eltern über die Entwicklung des Kindes zu informieren. Eine Erziehungspartnerschaft zu leben. Es bedeutet, den Kindern Freude an Musik, Kunst und Kultur zu vermitteln. Freude am lebenslangen Lernen. Wir alle wissen das die Vermittlung unserer Kulturtechniken in diesem Alter durch Vorbildfunktionen passiert. Eine Person, die mit Begeisterung und Freude aus einem Buch vorliest oder über die verschiedenen Kräuter, Blumen und Käfer auf einer Wiese erzählt, kann diese Freude und Begeisterung bei Kindern wecken.  Wenn jemand ungern liest und seine Freizeit darin besteht vor dem Fernseher zu hocken und der generell ein Desinteresse an wichtigen Themen aufweist, von dem kann kein Impuls für Bücher und Kunst kommen. Der kann nur im besten Fall- und wenn das Wetter stimmt- sich aufraffen die Kinder anzuziehen und die Tür zu öffnen.

 

(1) http://www.bvpraevention.de/cms/index.asp?inst=bvpg&snr=8977

(2)RKI

(3) Bertelsmann Stiftung 

(4) Süddeutsche.de 

Ein abschließender Satz: Natürlich gibt es auch viele Personen in Einrichtungen für Kinder, die kein Studium absolviert haben und hervorragende Pädagogen sind. Ebenso garantiert kein Studienabschluss, dass die Kinder besonders gut betreut und begleitet werden. Die Wahrscheinlichkeit einer kindgerechten Erziehung ist jedoch höher, wenn die wichtigen Themen erarbeitet wurden und ein genereller Anspruch des lebenslangen Lernens angenommen wird. Es geht also -wie in anderen Berufen selbstverständlich vorausgesetzt- um das Suchen und Finden geeigneter Personen. Und diese -auch dies eine Binsenweisheit- bekommt man nicht mit niedrigen Löhnen und restriktiven Vorgaben.

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